Dr. med. Jan Gysi

 

Informationen auf dieser Webseite:

  1. Diagnostik (inkl. TADS-I und ICD-11)
  2. Literatur
  3. Vorgehen nach sexualisierter Gewalt
  4. Neue Herausforderungen für die Traumatherapie: Opfer von "Loverboys" und Opfer von Online-Kindsmissbrauch

  5. Probleme mit DBT bei Menschen  mit komplexen Traumafolgestörungen

  6. Mitgefühlserschöpfung
  7. Informationen für JournalistInnen und Medienschaffende

 

 

1. Diagnostik


Neu: Trauma und Dissoziative Symptome Interview TADS-I 

Der meines Erachtens mit Abstand beste Fragebogen zur Abklärung posttraumatischer und dissoziativer Symptome ist das "Trauma & Dissociative Symptoms Interview" von Suzette Boon und Helga Mathess. Eine Gruppe von Therapeutinnen und Therapeuten aus der Schweiz hat den Fragebogen sowie das Manual übersetzt.

Die Hauptautorin, Suzette Boon, hat darum gebeten, den Fragebogen nicht frei ins Netz zu stellen, weil es eine Schulung für die Anwendung brauche. Die Gefahr sei, dass bei fehlenden Wissen zu dissoziativen Störungen falsch negative und falsch positive Diagnosen gestellt werden (diese Einschätzung teile ich). Suzette Boon möchte, dass der Fragebogen im Moment nur an ausgebildete TraumatherapeutInnen abgegeben wird. 

Der Fragebogen kann bei mir angefordert werden mit einer kurzen Mail mit Angaben zu Weiterbildungen in der Diagnostik posttraumatischer und dissoziativer Störungen (zur Mail).

Ich selber biete am 25./26. Januar 2019 wieder ein Diagnostik-Seminar an (in Zürich). Basis dieses Seminars ist das TADS-I. Das Seminar ist Teil eines Psychotrauma-Curriculums, es kann aber auch einzeln gebucht werden. Informationen finden Sie auf der Webseite des IKP.

Ich biete  Kliniken und Institutionen, die eine interne Weiterbildung in der Diagnostik posttraumatischer und dissoziativer Störungen wünschen, gerne spezielle Workshops und Seminare an.  


Neu: Trauma und Dissoziation im ICD-11

Am 18.6.2018 hat die Weltgesundheitsorganisation den definitiven Text des ICD-11 verabschiedet. Dieser Text wird nun weltweit in viele Sprachen übersetzt. Im Mai 2019 wird die Vollversammlung der WHO diese Texte offiziell verabschieden. 

Im Bereich Trauma und Dissoziation bringt das ICD-11 wesentliche Verbesserungen:

Meines Erachtens ist es sinnvoll, sich in Berichten an Gerichte, Strafverfolgungsbehörden und Versicherungen bereits auf das ICD-11 zu beziehen, weil das ICD-10 speziell im Bereich Trauma & Dissoziation extrem veraltet und wissenschaftlich überholt ist.

Ich biete Kliniken und Institutionen, die eine interne Weiterbildung zu posttraumatischen und dissoziativen Störungen im ICD-11 wünschen, gerne spezielle Workshops und Seminare an. 


Allgemeine Fragebögen für die Diagnostik

Interview zur komplexen posttraumatischen Belastungsstörung (I-kPTBS)

Das Interview kann zur Erfassung verschieder posttraumatischer Symtpome verwendet werden, wobei die komplexe posttraumatische Belastungsstörung (kPTBS) in DSM-IV und ICD-10 nicht als eigenständiges Krankheitsbild anerkannt ist. Das I-kPTBS erfasst Symptome aus den Bereichen Störungen der Affekt- und Impulskontrolle und Regulierung incl. Selbstschädigendes Verhalten, Störungen der Wahrnehmung und des Bewusstseins, Störungen der Selbstwahrnehmung, Beziehungsstörungen, Somatisierungen und Veränderungen von zentralen Lebenseinstellungen und Zukunftsperspektiven.

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Fragebogen zu Dissoziationserfahrungen (DES)


Der DES ist ein Screeninginstrument und sollte nicht zur alleinigen Diagnosik angewandt werden. Ausnahme: Diagnostiker können die Fragen als Interviewvorlage verwenden im Rahmen eines strukturieren Abklärungsgesprächs (wobei der DES hierfür nicht validiert worden ist).

Externer Link (Quelle: Psychotherapieportal Breisgau): Download

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Fragebogen zu Dissoziativen Symptomen (FDS)

Der FDS beinhaltet den DES (siehe oben), ergänzt ihn aber zusätzlich mit Fragen zu Konversion. Aus rechtlichen Gründen kann ich ihn nicht online stellen. Sie können aber eine Excel-Tabelle herunterladen, welche die Auswertung vereinfacht:

Externer Link zum Bezug des FDS
Download Excel-Tabelle zur Auswertung

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Strukturiertes Klinisches Interview für Dissoziative Störungen (SKID-D)

Der SKID-D ist der Goldstandart zur Diagnostik dissoziativer Störungen. Die Durchführung bedarf aber eines breiten Grundwissens und viel Erfahrung (oder Supervision).

Download Kurz-SKID-D

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Fragebogen zu somatoformer dissoziativer Symptomatik (Somatoform Dissociation Questionnaire, SDQ)

Mit dem SDQ kann somatoforme dissoziative Symptomatik erfasst werden. Er ist in verschiedenen Sprachen erhältlich.

.Link (Dr. E.R.S. Nijenuhuis, Assen NL)

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Therapie Einschätzungsskala (TES)

Die TES wurde zur Einschätzung der Behandlungssituation bei Menschen mit komplexen posttraumatischen Störungen entwickelt. Es ist nicht validiert, ist jedoch z.B. in Supervisionen hilfreich zur realistischen Einschätzung der Möglichkeiten und Grenzen einer Psychotherapie.

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Dissociative Disorders Interview Schedule (DDIS) (Englisch)

Externer Link zu Colin Ross Institute, Texas USA

Deutsche Version

Adult Attachment Interview (AAI)

Deutsch auf der Webseite von Karl Heinz Brisch

Englisches Protokoll

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Übersicht über Fragebögen 

Übersicht über verschiedene Fragebögen zur Abklärung von posttraumatischen und dissoziativen Störungen und traumatischen Lebenserfahrungen: Externer Link auf Homepage von Dr. Dieter Kunzke: Zusammenstellung 

 
Checklisten und Fragebogen zur Erfassung traumatischer Ereignisse in deutscher Sprache: Externer Link Universität Trier: Zusammenstellung
 


Unterstützung für Diagnostik & Behandlung

Diagnostik von Traumafolgestörungen nach ICD-10: PTBS, komplexe PTBS, Borderline-Störung

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Diagnostische Kriterien für die dissoziative Identitätsstörung (DIS) nach Dell

Externer Link zum Artikel
Download Zusammenfassung

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Die Diagnose der dissoziativen Identitätsstörung (DIS) nach Putnam


Externer Link zum Buch
Download Zusammenfassung

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Explorationshilfe in der Arbeit mit Patienten mit DIS

Diese Zusammenstellung enthält verschiedene Bereiche, die in der Arbeit mit Betroffenen exploriert werden können. In der Regel braucht es hierfür jedoch mehrere Jahre, d.h. die Fragen müssen immer wieder neu angeschaut und neu evaluiert werden. Diese Fragen eignen sich deshalb nicht, um in einer einzigen Sitzung durchzugehen. Vielmehr können sie als Leitfaden dienen für Therapie und Supervision.

Download pdf

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Maastrichter Fragebogen - Interview mit einer Person, die Stimmen hört

 

Fast alle Menschen mit schweren dissoziativen Symptomen hören auch Stimmen. Dieser Fragebogen dienst als Instrument zur Erforschung der Stimmen und zum Empowerment von Stimmenhörenden. Es braucht aber viel Zeit, um diesen Fragebogen gemeinsam durchzugehen. Und Achtung: die Fragen zur Lebensgeschichte können viel Stress auslösen. Deshalb muss der Fragebogen mit grosser Vorsicht angewendet werden.

 

Externer Link

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Weitere Informationen zu Diagnostik und Behandlung von Menschen mit komplexen dissoziativen Störungen


Artikel: "Die Dissoziative Identitätsstörung - häufig fehldiagnostiziert"
Dtsch Arztebl 2006; 103(47):A 3193–200


Externer Download

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Guidelines for Treating Dissociative Identity Disorder in Adults (2005): International Society for the Study of Trauma & Dissociation


Externer Link
 



2. Literatur

Romane, Ratgeber

Roman über zwei Menschen mit dissoziativer Identitätsstörung, erstaunlich gute Wiedergabe des Alltags von Menschen mit DIS (mit einigen Einschränkungen):
Matt Ruff: "Ich und die anderen" ( Link) ( Buch gratis downloaden)


Biografie, Ratgeber: Marilyn van Derbur: "Tagkind - Nachtkind" ( Link

Fachliteratur

Grundlagenwerk zum Einsteigen in die Psychotraumatherapie, Klassiker der Psychotraumatherapie (ausser Kapitel zu Therapie, die etwas veraltet sind):
Judith Herman: "Narben der Gewalt" ( Link)

Behandlung posttraumatischer Störungen:
Michaela Huber: "Trauma und die Folgen". Teil 1 ( Link) und Teil 2 ( Link)

Behandlung von Menschen mit dissoziativer Identitätsstörung: 
Michaela Huber: "Viele sein - ein Handbuch" ( Link)

Modernes Referenzwerk zu dissoziativen Störungen, leider komplizierte Lesekost:
O. Van der Hart, E. Nijenhuis, K. Steele: "Das verfolgte Selbst" ( Link)

Sehr praxisorientiertes für Betroffene und Therapeuten, wird von vielen Betroffenen als sehr hilfreich erlebt:
Suzette Boon, Kathy Steele, Onno Van der Hart: "Traumabedingte Dissoziation bewältigen: Ein Skills-Training für Klienten und ihre Therapeuten" ( Link)


Ratgeber

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz: 

 


 3. Vorgehen nach sexualisierter Gewalt

Medizinische Soforthilfe nach Vergewaltigung (Frauennotruf Frankfurt a.M.)

Untersuchungsset "Hessen-Kit", Prionics forensix zur Spurensicherung nach Sexualdelikt

 


4. Neue Herausforderungen für die Traumatherapie: Opfer von "Loverboys" und Opfer von Online-Kindsmissbrauch

In der Traumatherapie gibt es aktuell eine meines Erachtens einseitige Fokussierung auf rituelle Gewalt. Während ich selber überhaupt nicht bezweifle, dass es diese schwersten Gewaltformen gibt, so sehe ich im Therapiealltag jedoch deutlich mehr Opfer von Zwangsprostitution mit der "Loverboy"-Masche und Opfer von Online Kindsmissbrauch als Opfer von ritueller Gewalt. Es ist unabdingbar, dass TraumatherapeutInnen über Basiswissen zu diesen neuen Gewaltformen verfügen, wenn sie ihren Patientinnen nachhaltig helfen wollen. 

Die allgemeine Psychiatrie und Psychotherapie wiederum unterschätzen meines Erachtens die Häufigkeit dieser Gewaltformen massiv und übersehen die hinter den komorbiden Erkrankungen wie Depression, Sucht und Affektregulationsproblemen stehenden posttraumatischen Störungen nach schwersten Gewalterfahrungen. Viele Opfer von organisierter Ausbeutung laufen in der Psychiatrie unter Borderline und/oder Schizophrenie, die Folge sind in schwersten Fällen jahrelange wiederholte psychiatrische Hospitalisationen mit Selbstverletzungen und Zwangsmassnahmen. 


Opfer von "Loverboys"



Opfer von Online Kindsmissbrauch


5. Probleme mit DBT bei Menschen mit komplexen Traumafolgestörungen

In vielen Kliniken in der Schweiz (und offenbar auch in Deutschland) wird bei Menschen mit komplexen Traumafolgestörungen DBT angewandt. Aus Berichten von Betroffenen sowie aus den Austrittsberichten entnehme ich, dass in vielen Fällen der "Borderline-Aspekt" der Betroffenen hervorgehoben und die komplexe posttraumatische Symptomatik übersehen oder bagatellisiert wird. Daraus entstehen aber verschiedene Schwierigkeiten in der Behandlung, unter anderem komplexe Machtdynamiken zwischen Behandlern und Betroffenen und wiederholte Zwangsmassnahmen. 

Beim "Betroffenenrat beim Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs" in Deutschland sind so viele Reklamationen von Menschen mit Traumafolgestörungen zu DBT eingetroffen, dass sich dieser veranlasst sah, einen Bericht zu verfassen, der hier heruntergeladen werden kann:


Erfahrungen mit der dialektisch behavioraler Therapie (DBT) im deutschsprachigen Raum (Online-Erhebung) 

Mir ist bewusst, dass die stationäre Behandlung von Menschen mit komplexen Traumafolgestörungen anspruchsvoll ist. Nach dem Grundsatz der hippokratischen Tradition des "primum non nocere, secundum cavere, tertium sanare" (übersetzt "erstens nicht schaden, zweitens vorsichtig sein, drittens heilen") muss es meines Erachtens aber oberstes Ziel sein, dass Betroffene in der Psychiatrie nicht retraumatisiert werden. Kliniken empfehle ich deshalb, dass sich Mitarbeitende in Traumatherapie weiterbilden und dass sich Teams von Spezialisten für die Behandlung von Menschen mit komplexen Traumafolgestörungen supervisorisch begleiten zu lassen, um zu verhindern, dass das Leiden der Betroffenen durch Retraumatisierungen verstärkt statt gelindert wird.



6. Mitgefühlserschöpfung

Test zur Selbsteinschätzung von Mitgefühlserschöpfung

Download

Externer Link: ProQOL.org

Externer Link: Helper Pocket Card (Englisch)

Externer Link: Quick-Guide Suggestions Prevention/Intervention with the negative effects of Caregiving (Englisch)



7. Informationen für Journalistinnen & Journalisten sowie Medienschaffende

Traumatisierungen werden immer mehr auch Thema in den Medien, sei es nach Unglücken (z.B. Flugzeugabstürze, Bootsunglücke) oder nach Tragödien mit Gewalt durch Menschen (z.B. Terroranschläge). Verschiedene Medien beginnen auch, mehr über die "alltägliche" Gewalt in der westlichen Welt zu berichten, zum Beispiel körperliche oder sexuelle Gewalt in unserer Gesellschaft.

Die Berichterstattung nach solchen Ereignissen stellt Journalistinnen und Journalisten jedoch vor grosse Herausforderungen. Deshalb hier einige Links mit hilfreichen Informationen:

 

ECPAT Deutschland hat an einem Fachtag zu "sexualisierte Gewalt in organisierten und rituellen Gewaltstrukturen" Empfehlungen an Politik und Gesellschaft formuliert: Link zum Download des Berichtes.